Verlag Das Brennglas

Anmerkungen und Korrekturen eines Theologen

Einige Anmerkungen und Korrekturen eines Theologen zur Broschüre "Die tierfeindliche Bibel des Hieronymus"

1) Hieronymus bekam im Jahr 382 von Papst den Auftrag für die Abfassung der lateinischen Vulgata, nicht 383 (S. 7) oder 370 (S. 9). Dabei ging es um die ganze Bibel, nicht nur um die Evangelien. Hieronymus schrieb noch über zehn Jahre später an diesen Texten und war wohl auch nicht der einzige Übersetzer.

2) Bei den vielen Varianten und Änderungen der Bibeltexte ist zu berücksichtigen, dass naturgemäß jeder Übersetzer einen Text mit anderen Worten übersetzt. Schwerwiegender als völlig verschiedene Übersetzungen sind allerdings unterschiedliche Textfassungen des so genannten „Urtextes“, also der erstmaligen Abfassung z. B. eines Evangeliums. Auch diese gibt es in großer Zahl.
Und hier sind dann des weiteren kleinere Unterschiede von schwerwiegenden inhaltlichen Veränderungen zu unterscheiden.
Bei den Aufzählungen auf S. 7 wird das jedoch nicht so genau unterschieden. Es wird jedoch aus den dort genannten Fakten deutlich, wie Menschen mit allen ihren Fehlern und Schwächen die Bibeltexte schrieben und teilweise mit Absicht veränderten, nicht etwa „Gott“. Die späteren Korrekturen „bis in das 9. Jahrhundert hinein“ (S. 38) sind in der Regel nachweisbar.

3) Zum Kapitel „Warum ließ Hieronymus Widersprüche in der Bibel?“ (S. 20): Ob Hieronymus vom damaligen Papst überhaupt autorisiert gewesen war, wesentliche Inhalte zu den damals bekannten Bibeltexten hinzuzufügen und andere zu streichen, ist sehr unwahrscheinlich. Dann hätte er ja auch alle damals bereits verbreiteten Bibelfassungen gleichzeitig verändern müssen. Diese gravierenden Bibelfälschungen haben jedoch stattgefunden. Allerdings viel früher, das Neue Testament betreffend vom 1. bis ins 3. Jahrhundert, vielleicht noch 4. Jahrhundert hinein.
Zwar hat Hieronymus selbst einmal gesagt, dass man ihn als „Fälscher“ bezeichnen wird; aber mehr aus der Not heraus, da er bei seiner Vereinheitlichung vieles Bekannte wangsläufig ändern musste.
Die ältesten komplett erhaltenen Handschriften des Neuen Testaments in griechischer Sprache stammen aus dem 4. Jahrhundert, an dessen Ende auch Hieronymus lebte. Tatsache ist jedoch, dass Hieronymus teilweise andere Inhalte von Jesus bekannt waren als diejenigen, die zu seiner Zeit noch in der Bibel nachzulesen waren, z. B., „dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.“ (S. 13)
Gravierend ist, dass viele Papyrusrollen aus früheren Jahrhunderten verloren gegangen sind - mit wahrheitgemäßen Inhalten, die von der entstehenden Machtkirche vernichtet worden sind.

4) Das hier zitierte römisch-katholische Bekenntnis gegen den Vegetarismus (S. 14-15) war in Bereichen des Oströmischen Reiches nachweisbar.

5) Das Ur-Matthäusevangelium in hebräischer Sprache (S. 16-18) lag Hieronymus nachweislich vor, und es war mit größter Wahrscheinlichkeit authentischer als das jetzt in der Bibel nachlesbare Matthäusevangelium. Es war in der Tat eine große Gefahr für die institutionalisierte Kirche, auch wenn nicht alle Ausführungen des auf S. 17 zitierten Kommentators beweisbar sind.
In diesem Zusammenhang: Die Echtheit des Briefes von Hieronymus an Chromatis und Heliodorus (S. 16) ist zwar umstritten. Da Hieronymus jedoch im Auftrag der Amtskirche stand, spricht allerdings sehr vieles dafür, dass Hieronymus nicht wollte, dass dieses Evangelium verbreitet wurde, wie es in eben diesem Brief beschrieben steht. Der Brief könnte also auch echt sein.

6) Neben dem Lukas-Evangelium wird auch im biblischen Matthäusevangelium von einer Jungfrauengeburt geschrieben (vgl S. 25). Diese Lehre wurde jedoch erst später erfunden und z. B. nach dem Johannesevangelium ist Jesus „Sohn Josefs“ (1, 45). Und auch Paulus ist kein Anhänger der kirchlichen Lehre von einer Jungfrauengeburt von Jesus. Jesus ist nach Paulus geboren „aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch“ (Römer 1, 3), also „aus“ Joseph, einem Nachkommen Davids. Dass Paulus das Lukas-Evangelium diktiert oder veranlasst habe, ist nur eine von vielen Theorien. Die Ausführungen zu Paulus auf S. 26 passen sehr gut zu den Briefen des Paulus in der Bibel, jedoch weniger zum Lukasevangelium.

7) Im Alten Testament stehen sich Priester und die großen jüdischen Gottespropheten gegenüber, welche die Verfälschungen der Schriften, - vor allem der Bücher Mose - durch die Priester immer wieder richtig stellten. Allerdings gibt es diesen Gegensatz Theologe/Priester -Prophet genauso im Neuen Testament, und das Neue Testament ist auch vielfach verfälscht. Die Propheten Israels, von denen das Alte Testament berichtet, empfingen unzählige Gottesoffenbarungen, um das Volk auf dem richtigen Weg zu führen.

8) Die auf S. 37 genannten vielen weiteren Evangelien sind in ihrer Qualität sehr unterschiedlich. Für sie gilt – wie für die vier biblischen Evangelien auch – sie enthalten Richtiges und Falsches.

9) Es heißt im Bericht der Bibel von Noah nicht, dass Noah selbst es gewesen sei, durch den Gott angeblich nun sprach (S. 43) und Seine gute Schöpfungsordnung angeblich geändert habe. Es waren die Priester, welche Gott die Änderung unterstellten und nun „Furcht und Schrecken“ „über alle Tiere“ brachten. Mag sein, dass Noah nur eine „Sagenfigur“ ist, wie es auf S. 43 heißt. In seinem Tun, die Tierwelt zu retten, war diese „Figur“ jedoch vorbildlich. Aus diesem Grund ist es auch eine Bibelfälschung, wenn behauptet wird, er habe nach der Rettung vieler Tiere in der Arche einige dieser Tiere anschließenbd für Gott als Opfer verbrannt. Diese Fälschung geht ebenfalls auf die Priester zurück.