Tierrechtler decken Skandal auf:

Das Brüllen der Rinder beim Geschlachtetwerden

»Moralische Bedenken gegen Kalbsbraten?
Von seiten der Erzieher nicht. Von seiten der
Jurisprudenz nicht.
Von seiten der
Moraltheologie nicht.
Von tausend anderen
moralischen Seiten nicht.
Von der des Kalbes vielleicht?«

Karlheinz Deschner

Ein Rind hängt am Fließband, am Hinterbein aufgehängt. Es zappelt. Der Schlächter setzt das Messer an den Hals und schneidet mit einem langen Schnitt die Kehle auf. Ein Schwall von Blut strömt aus seinem Hals. Das Tier schlägt mit dem Kopf und schreit entsetzlich. Ein weiteres Rind, ebenfalls am Hinterbein aufgehängt, schlägt mit dem freien Hinterbein wild um sich. Erst wird dem Rind die Kehle aufgeschnitten. Dann wird ihm ein Vorderbein abgetrennt. Das Tier lebt aber noch! Es schlägt um sich, die Augen gehen auf und zu. Dann wird das andere Bein abgeschnitten. Erst als der Schlachter den Kopf abtrennt, ist das Rind tot. Doch schon kommt das nächste Rind am Fließband aufgehängt: Es zappelt mit dem ganzen Körper, schlägt mit Kopf, tritt mit den Füßen....
»Wenn der moderne Mensch die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflanzenesser ins
Ungemessene steigen.«

Christian Morgenstern

Ihr Film machte Schlagzeilen: Ein Dokumentations-Team des österreichischen Vereins gegen Tierfabriken drehte entsetzliche Bilder in einem EU-Schlachthof nahe der österreichisch-deutschen Grenze.
Der Skandal: Die Rinder brüllen noch, während sie am Förderband aufgeschnitten werden! Während der Filmaufnahmen wurden in einer Stunde 30 Tiere geschlachtet. Sechs von ihnen erwachten aus der Betäubung und erlitten unvorstellbare Qualen während ihrer Tötung. Andere Schlachthöfe verweigerten bis jetzt jede Drehgenehmigung.
Was der Dokumentationsfilm zeigt, ist kein Einzelfall - sondern erschre-ckende Realität in europäischen Schlachthöfen.

Der österreichische Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank berichtet:

»Tierschützer und ein privater Kameramann wollten wissen, was an den Gerüchten von grausamen Zuständen in unseren Schlachthäusern dran sei und sind Beobachtungen, dass Tieren immer wieder unbetäubt »die Beine abgeschnitten bekämen oder ins Brühwasser getaucht« würden, nachgegangen. Sogar ein Landwirt berichtete, dass ein Stier, nachdem er mit dem Bolzenschussapparat geschossen und an einem Hinterbein hochgezogen war, noch herzzerreißend gebrüllt hätte, während er bereits aufgeschnitten wurde. Auch bei der Schlachtung von Schweinen, vor allem bei Akkordarbeit, käme es zu fürchterlichen individuellen Todeskämpfen, weil die Tiere nicht ausreichend betäubt würden.

Die nun vorliegende Video-Dokumentation zeigt, wie den Tieren bereits beim Auf- und Entladen auf bzw. vom Tiertransporter mit Stöcken direkt ins Gesicht geschlagen wird. Sie werden mit Mistgabeln traktiert, mit elektrischen Viehtreibern geschockt oder durch Umdrehen des Schwanzes zum Gehen gezwungen. Der Gestank, zuerst nach Kadaver, weiter drinnen

nach Blut, lässt die Tiere ihr Schicksal erahnen und versetzt sie offensichtlich in Todesangst. Jenes Tier, das jeweils im engen Gang unmittelbar vor der Tötungsbox steht, kann das blutige Gemetzel schon sehen, das ihm bevorsteht. Einmal in dieser Tötungsbox gibt es kein Entrinnen mehr. Der Bolzenschussapparat wird an der Stirn angesetzt, ein Knall und das Tier sackt augenblicklich weg. Aber der Stier ist noch nicht tot, er sollte jedoch betäubt sein...

Die Tiere werden nun mit einer Eisenkette am Hinterbein hochgezogen und hängen kopfüber am Fließband. Durch einen Stich in die Halsschlagader sollen sie zum Verbluten gebracht werden. Wann genau der Tod eintritt, weiß niemand. Der Stier, der für das AMA-»Gütesiegel« vorgesehen ist, hängt nun an einem Bein am Fließband, der Schlächter schneidet ihm den Hals auf, Blut bricht hervor, der angeblich betäubte Körper zuckt zusammen.

Da geschieht etwas, das jeden Betrachter erschaudern lässt: -Während der Schlächter den Hals aufschlitzt, öffnen sich die Augen des Tieres langsam, einmal und noch einmal. Dann

beginnt der Stier, während er kopfüber hängend aufgeschnitten wird, um zu Fleisch verarbeitet zu werden, zu brüllen! - Es ist auf der Videodokumentation klar und deutlich zu sehen und zu hören. Das halb aufgeschnittene Tier am Fließband lebt noch und schreit! Ein schauderhaftes, heiser-gurgelndes Muhen übertönt den Lärm des Schlachtvorganges.

Der Schlächter, der die Vorderhufe abschneidet, muss in Deckung gehen. Denn nun bäumt sich der mächtige Stier blutüberströmt am Haken noch einige Male auf. Das sterbende Tier windet sich mit ganzer Kraft. Der Todeskampf dauert lange Minuten...«

Der Video-Film »Das Schreien der Rinder während dem Geschlachtetwerden« (Länge ca. 13 Minuten) kann bezogen werden über:

Verlag »Das Brennglas«, German Murer, Röttbacherstr. 61, D- 97892 Kreuzwertheim, www.brennglas.com

Verein gegen Tierfabriken VgT

Am Hendlberg 112, A- 3053 Laaben,

e-mail:vgt@vgt.at

Der Video-Film im Internet: www.tierschutz.cc

Österreichische Tierschützer haben nun Anzeige gegen alle Schlachthäuser gestellt - wegen Tierquälerei. Doch die Gräueltaten am Fließband seien auch ein ethisches Problem für alle: Jeder einzelne Fleischesser sei indirekt für die Tierquälerein mitverantwortlich: »Wer Fleisch konsumiert, gibt damit Gewalt gegen Tiere in Auftrag!«, meint Dr. Friedrich Landa, Tierschutz-Dachverbandspräsident in Österreich. »Je weniger Fleisch konsumiert wird, desto weniger Lebewesen müssen in Massentierhaltung gemästet werden.«

Deshalb hat der Dachverband der oberösterreichischen Tierschutzorganisationen die Staatsanwaltschaft in der Anzeige auch gebeten zu prüfen, »ob es in unserer modernen Zeit, da das ganze Jahr über ausreichend gesunde und nahrhafte pflanzliche Lebensmittel zur Verfügung stehen, überhaupt noch einen vernünftigen Grund gibt, zur Herstellung von Nahrung Tiere zu töten.«

»Sie haben soeben zu Mittag gegessen;
und wie sorgfältig auch
immer das Schlachthaus
in einer taktvollen
Entfernung von einigen
oder vielen Kilometern
verborgen sein mag:
Sie sind mitschuldig.«

Ralph Waldo Emerson, US-Schriftsteller
Bei
Bewusstsein
Aufgeschnitten

Zu häufig kommt es vor, dass ein Tier durch einen schlecht gesetzten Bolzenschuss bereits vor dem eigentlichen Schlachten wieder zu sich kommt. Eine Entscheidung der EU-Kommission verlangt nämlich, dass seit dem 1. Januar 2001 das zentrale Nervengewebe der Rinder nach dem Betäuben durch den Bolzenschuss nicht mehr durch Einführung eines sogenannten Rückenmarkzerstörers zerstört wird, weil dadurch infiziertes Gewebe in den Blutkreislauf und damit auch in die Skelettmuskulatur gelangen könnte. Beim Bolzenschuss die richtige Stelle am Kopf zu treffen ist schwer. Hat das Tier gar Panik, ist es fast unmöglich. Bei Rindern mit dickem Schädel betäubt der Schuss überhaupt nicht.
Die Rinder sind so schlecht betäubt, dass sie noch während des Schlachtens brüllen. Die Tiere zwinkern mit den Augen, schlagen mit den Beinen, ziehen seitlich den Kopf hoch - ein klares Zeichen, dass das Empfindungs- und Wahrnehmungsvermögen nicht ausgeschaltet ist.
Beate Gminder, EU-Kommission, verteidigte gegenüber dem Polit-Magazin Panorama (8/2001) die neue Schlachtverordnung der EU: »Es muss abgewogen werden zwischen Gesundheitsschutz der Arbeiter und der Bevölkerung und dem Tierschutz.«.
Auch die Bolzenschussbetäubung soll in Zukunft elektrischen Betäubungsverfahren weichen, da in Zeiten von BSE nicht ausgeschlossen werden könne, dass infektiöses Gewebe aus dem Gehirn in den Körper der Tiere gelangt. Die Elektrobetäubung kann aber keine sichere Betäubung von Rindern gewährleisten.

 

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