Das Grauen kommt auf den Menschen zurück

»Das Land wird euch seine Früchte geben, dass ihr euch satt essen könnt. Wer einen Ochsen schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlüge.«

Jesaja 66/3
Das Ende der BSE-Krise ist noch lange nicht in Sicht. »Wir müssen uns darauf einstellen, noch sieben bis zehn Jahre mit der Tierseuche umzugehen«, sagte Bayerns Verbraucherschutzmister Eberhard Sinner (CSU) in einem dpa-Gespräch (Main-Post, 30.07.01). Sinner sieht keinen Grund zur Beunruhigung: Rindfleisch sei jetzt das sicherste Lebensmittel, »das wir je hatten«. Obwohl durchschnittlich jeden dritten Tag eine Kuh BSE-positiv getestet wird, findet es Walter Schulz-Schaeffer vom Prionen-Zentrum an der Uni Göttingen »richtig, dass die Bevölkerung wieder Rindfleisch isst und mit der Sache gelassener umgeht« (STERN, 28/2001). Trotzdem schlägt der Bayerische Bauernverband Alarm: »Acht Monate nach Bekanntwerden des ersten BSE-Falls in Bayern stehen die rund 82.000 Rinderhalter im Freistaat nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes vor dem Aus.« (Main-Post, 14.08.01). Unterfrankens Bauernverbandspräsident Karl Groenen befürchtet: »Eine ganze Branche stirbt dann aus!« (Main-Post, 30.08.01). Denn an einem landwirtschaftlichen Betrieb hingen 15 bis 16 Arbeitsplätze - Schlachthof, Lieferanten, Futtermittelhersteller... Warum suchen sich die Schlächter und ihre Belieferer nicht eine ethisch vertretbare Arbeit?
Der BSE-Krise folgten Maul- und Klauenseuche und Schweinepest - die Scheiterhaufen brannten. Bis August 2001 wurden in Großbritannien mehr als 5,1 Millionen Schafe, Rinder und Schweine gekeult. Doch nur 1987 MKS-Fälle wurden amtlich bestätigt. Regierungs-Experten mussten zugeben: Viele Höfe, die als MKS-verseucht eingestuft wurden, waren in Wirklichkeit seuchenfrei. Massentötung aus Gründen der »Marktbereinigung«. Maul- und Klauenseuche ist in den meisten Fällen heilbar. Zudem wurden schon längst Impfstoffe entwickelt - doch die dürfen nicht eingesetzt werden. Für den feuchten Herbst befürchtet England die Rückkehr der Seuche. Die ersten Fälle wurden bereits bekannt...

Ende August 2001 wurden in Nord-Spanien in zwei Tagen 4000 Schweine gekeult, um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern (Animal Health, 29.08.01)

Keulen als Marktbereinigung

Ein alter Tierarzt berichtet:

»Maul- und Klauenseuche gab es schon immer. Wenn früher in einem Stall MKS auftrat, wurde der Stall gesperrt. Die betreffende Kuh wurde von den anderen getrennt. Meistens wurden sie wieder gesund. Wenn es bei der Kuh so schlimm war, dass sie die Klauenschuhe verloren hat, wurde sie notgeschlachtet. Das Fleisch wurde ganz normal verkauft und verwendet. Es wurden Desinfektionsmatten aufgestellt.

Es kam äußerst selten vor, dass ein ganzer Stall durchseucht war. Wenn in einem Ort mehrere Ställe betroffen waren, wurde eine Ringimpfung durchgeführt. Impfdurchbrüche (d.h.MKS-Infizierung durch die Impfung) kamen kaum vor. Die Tiere hatten eine Immunität, wenn nicht 100%ig, aber sie hatten eine Immunität. So sind wir verfahren und damit gut ausgekommen. Wenn heute Millionen von Tieren gekeult werden, dient das nur der »Marktbereinigung« um die Preise zu stabilisieren.

 

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