»Du sollst nicht
töten...«
Die ersten Christen waren Vegetarier

»Denn wahrlich,
ich sage euch:
der, der tötet,
tötet sich selbst,
und wer vom Fleisch
erschlagener Tiere isst, isst vom Körper des Todes.
Aber ich sage euch:
Tötet weder Mensch noch Tier,
noch die Nahrung,
die euer Mund
aufnimmt.«
Jesus, »Das Evangelium der Essener«
Jesus von Nazareth kam auch für die Tiere. Das wurde schon bei seiner Geburt im Stall zu Betlehem deutlich. Mit der Peitsche trieb er die Tierhändler aus dem Tempel hinaus. Der Vorhof des Tempels war ein Handelsplatz für

Opfertiere. Der Tempel selbst war ein Schlachthaus: Dort stand der Altar, auf dem die Tiere verbrannt wurden - »für die Sünden der Menschen« und »zum beruhigenden Duft für den Herrn«. Jesus griff zur Peitsche, um das halsstarrige Volk darauf hinzuweisen, dass eine Verhaltensänderung nötig wäre: »Dieses soll ein Bethaus sein. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!« Hier steht Jesus in der Tradition der Propheten, die oft auf solche Zeichenhandlungen zurückgegriffen haben.

Jesus von Nazareth setzte sich in seinem Leben für die Tiere ein. Doch davon berichten heute nur Schriften außerhalb der Bibel: das Thomasevangelium, die »Petrusakten«, das Ägypterevangelium - die sogenannten Apokryphen (= verborgenen Schriften). In den Petrusakten, die um 180

n. Chr. entstanden sind, wird z.B. Folgendes überliefert: Als Jesus mitansehen musste, wie ein Mann ein Tier schlug, rief er: »Weh euch, die ihr nicht hört, wie es zum Schöpfer im Himmel klagt und um Erbarmen schreit! Dreimal wehe aber über den, über welchen es in seinem Schmerz schreit und klagt!« Und im Evangelium der Essener spricht Jesus: »Denn wahrlich, ich sage euch, der, der tötet, tötet sich selbst, und wer vom Fleisch erschlagener Tiere isst, isst vom Körper des Todes. Aber ich sage euch: Tötet weder Mensch noch Tier, noch die Nahrung die euer Mund aufnimmt. Denn wenn ihr lebendige Nahrung esst, wird sie euch beleben, aber wenn ihr eure Nahrung tötet, wird euch die tote Nahrung ebenfalls töten..«

Konsequenterweise waren die ersten Christen Vegetarier. Noch Basilius der Große, Kirchenvater und Erzbischof von Cäsarea (329-379) lehrte: »Der Leib, der mit Fleischspeisen beschwert wird, wird von Krankheiten heimgesucht. Die Dünste der Fleischspeisen verdunkeln das Licht des Geistes. Man kann schwerlich die Tugend lieben, wenn man sich an Fleischgerichten erfreut. Unser Tisch muss zum Denkmal der Tafel wahrer Christen dienen..«
Die ersten Christen bauten auf die Bergpredigt. Doch das Urchristentum wurde mit der Zeit unterwandert. Obwohl sie sich christlich nennen, lehnen die Kirchen die Bergpredigt als Utopie ab, die in eine andere Welt gehöre. Sie flechten ein Rankenwerk um die Aussagen Jesu und verkehren seine Lehre ins Gegenteil: Die Kirchen rechtfertigen Kriege, rechtfertigen Tierversuche, rechtfertigen die Massentötung von Tieren und segnen die Waffen im Krieg und für die Jagd gegen Tiere - obwohl es in den Zehn Geboten unmissverständlich heißt: »Du sollst nicht töten.«

Jeder soll den Gott anbeten, den er will, keiner kann seinen Gott beweisen. Doch eine Institution, welche die zentrale Lehre des Jesus von Nazareth, die Bergpredigt, ablehnt, soll ihren Namen nicht mit dem Namen des Christus vermengen.

Das millionenfache Tierleid ist also nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Kirchen nicht christlich sind. Die Kirchen sind katholisch oder lutherisch. Wären sie christlich - stünden sie also in der Nachfolge Christi - müssten die Tiere heute nicht so leiden.

 

[Vorherige Seite] [Inhaltsverzeichnis] [Nächste Seite]

[Startseite]


© 2001 Verlag Das Brennglas
Röttbacher Str. 61 • D-97892 Kreuzwertheim
eMail: info@brennglas.com
Webmaster: webmaster@brennglas.com