Hühner- KZ

Lebenslange
Folter für
40 Millionen
Hennen

»Die Grösse und den
moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran
messen, wie sie die Tiere
behandelt.«

Mahatma Gandhi

40 Millionen Legehennen vegetieren ihr kurzes Leben in der Käfigbatteriehaltung: fensterlose Hallen, Gruppenkäfige, bis zu acht Etagen, umgerechnet 22 Hühner je Quadratmeter, künstliches Licht, 20 Stunden Kunstlicht täglich, damit sie noch mehr Eier legen. Sie stehen auf Drahtgittern, so dass die Füße verkrüppeln. Unter ihnen, rechts und links daneben und über ihnen auch ein Huhn. In der qualvollen Enge kommt es zu schweren Verhaltensstörungen: Die Hühner picken sich selbst und ihren Nachbarn die Federn aus, weswegen ihnen der Schnabel abgeschnitten wird. 40 Millionen Hühner in den Legebatterien werden von nur 1000 Arbeitern »betreut«: Eine einzige Angestellte reicht aus, um die 500.000 Hennen und ihre »Produktion« in Bestensee bei Berlin zu kontrollieren. Die durchschnittliche Keimbelastung in Geflügelbatterien ist 200mal höher als in Kleinstädten. Bis zu 40% dieser Arbeiter leiden daher auch an berufsbedingten Lungenkrankheiten und sind frühzeitig berufsunfähig. Schon nach 14-18 Monaten Hühner-KZ können die Tiere die Legeleistung nicht mehr erbringen - und wandern in den Suppentopf. Bis zu 20% der Tiere überleben die 15- bis 18-monatige Legeperiode nicht: Sie sterben an Stress, verschiedenen Krankheiten wie Cholera, Salmonellose, Osteoporose etc.

Dabei verstoßen die Hühnerhalter gegen das Gebot artgerechter Tierhaltung. Das Deutsche Tierschutzgesetz schreibt vor: »Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen« und »darf die Möglichkeiten des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.«

»Vor Strafe hatten füllige Landwirtschaftsminister aus dem Bauernstand ihre Agrarlobby bewahrt - mit einer »Verordnung zum Schutz von Legehennen bei Käfighaltung«, die in Wirklichkeit die Hühnerhalter unter

ihre Fittiche nahm und die kriminelle Praxis zum Schein legalisierte.« (DER SPIEGEL, 25/2001).

Die BSE-Kriste brachte Renate Künast auf den Landwirtschaftsministerstuhl: »Mit ihrer Ankündigung, der Käfighaltung ab dem Jahr 2007 ein Ende zu machen, löst Künast Wehgeschrei aus.« (ebda.).

Dabei ist die hochgepriesene Bodenhaltung immer noch schlimm genug: Sieben Hühner müssen sich einen Quadratmeter teilen. Auch Freilandhühner werden zu Suppenhühnern verarbeitet, wenn ihre »Legeleistung« nachlässt. Wilde Hennen legen nur einmal im Jahr sechs bis zwölf Eier und brüten sie aus. Nur das ständige Wegnehmen der Eier sorgt für Nachschub.

Masthähnchen werden in sogenannter Bodenhaltung gehalten - in Hallen mit 50.000 bis 80.000 Tieren. Für die »Betreuung« von 7000 Masthühnern reichen schon zwei Arbeitsstunden pro Tag aus. Nach etwas mehr als einem Monat im Halbdunkel sind sie schlachtreif und werden »ausgestallt«. Dann fahren große Maschinen durch die Hallen, welche die Tiere durch Rohre direkt in die Transportkisten aufsaugen.

»Gerechter Gott! Aus wie
v
ielen Marterstunden der Tiere tötet der Mensch
eine einzige Festminute für seine Zunge zusammen!.«

Jean Paul, (1763-1825), Dichter

 
Kannibalismus-
von Hühnern oder von Menschen?

Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) lehnt nach einem Bericht des Weser Kuriers vom 17.08.01 das von Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (GRÜNE) geplante Käfighennenverbot (ab 2007) ab. »Freilandhühner sind eine massive Belastung für Gewässer und Luft«, meint der Minister. Aus Gründen des Tierschutzes wolle niemand eine weitere Käfighaltung von Legehennen. Eine Haltung der vorhandenen Hennenbestände (14 Millionen Legehennen allein in Niedersachsen) sei im Freiland jedoch nicht denkbar. In den riesigen Fabriken dagegen könnten in Anlagen die Schadstoffe herausgefiltert werden.

Zuvor hatte schon Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) sein Nein kundgetan. Renate Künast zwinge mit ihren Plänen die deutschen Hühnerbarone zur Abwanderung ins Ausland. Freilandhaltung sei außerdem hygienisch bedenklich und führe zu Kannibalismus unter den Hennen.

Wen trifft die Verantwortung, wenn sich Hennen, die in gnadenloser Folterhaltung nicht mehr als eine A4-Seite Platz zur Verfügung haben, gegenseitig die Federn aushacken? Was ist eigentlich los in Deutschland? Nicht die Hennen sind die Kannibalen, sondern wir Menschen! Wer ernährt sich beständig von Leichenfleisch?

»Das Fleisch, das wir essen, ist ein mindestens zwei bis fünf Tage alter Leichnam.«

Volker Elis Pilgrim, Schriftsteller

 

Ein Hahn greift ein

Zwei Glucken mit ihren Küken spazieren über den Hof, suchen eifrig nach essbaren Körnern. Plötzlich gibt es Streit - keiner hat gesehen aus welchem Anlass. Die Hennen gehen aufeinander los. Und schon flattert einer heran: der Hahn! Er stellt sich zwischen die Streithennen und kräht gebieterisch: Hier gibt es keinen Streit! Hier ist Ruhe und Frieden! Und wir essen solch intelligente und charakterstarke Tiere.
Der Hahn sorgt für Ordnung. Wenn es etwas zu essen gibt, ruht er nicht eher, bis er alle Hennen zusammengerufen hat. Uneigennützig wacht er über ihre Nahrungsaufnahme, und erst wenn die Hennen alle satt sind, denkt er an sich selbst.

Eine andere Geschichte: Einmal hatte ein Landwirt vergessen die Stalltür zu öffnen. Die Hühner wollten am Morgen ins Freie und standen vor verschlossener Tür. Das war ein Fall für den Hahn: Durch ein Fenster flog er hinaus und landete vor der Tür zum Schlafzimmer des Landwirts. Er schimpfte nach Leibeskräften so lange, bis der Landwirt sich erhob und nach dem Rechten sah. Da bemerkte er die geschlossene Stalltür und öffnete sie sogleich. Jetzt erst war der Hahn zufrieden, denn die Hennen konnten ohne Anstrengung ins Freie gelangen.

Tiere wie dieser Hahn landen täglich zu Hunderttausenden in den Kochtöpfen und Grillbratereien....

[Vorherige Seite] [Inhaltsverzeichnis] [Nächste Seite]

[Startseite]


© 2001 Verlag Das Brennglas
Röttbacher Str. 61 • D-97892 Kreuzwertheim
eMail: info@brennglas.com
Webmaster: webmaster@brennglas.com