14 Millionen Enten,
20 Millionen Puten
»Veredelung« durch Schlachtung

Auch 20.300.000 Puten und 14.200.000 Enten leiden unter grausamen Bedingungen in der Massenhaltung: Bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben, verbringen sie ihr kurzes Leben auf engstem Raum zusammengepfercht und werden am Fließband lebendig geköpft.
Doch das scheint manchen Folterknechten noch nicht zu reichen: Ein Putenmäster aus Westerstede (Kreis Ammerland) brachte in seinem Stall 5000 Küken mehr als die genehmigten 25.000 unter. Das meldete der NDR am 16. August 2001. Gegen den Mäster wurde lediglich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet - Tierfolter auf einer Stufe mit Falschparken?

Nicht zuletzt wegen der ständigen Skandale bei Schweinen, Rindern und Kälbern ist seit 1990 der Putenkonsum in Deutschland um 80 Prozent angestiegen. Das Image vom glücklichen Federvieh trügt: »Puten in Massentierhaltung leiden noch schlimmer als Masthähnchen«, berichtet die Zeitschrift Naturkost vom 14.12.98. Da die Putenbrust das begehrteste und teuerste Teil ist, können Skelett, Beine und Sehnen mit dem viel zu schnellen Wachstum nicht mithalten und verbiegen unter der Fleischlast. Am Ende ihrer 22 Lebenswochen rutschen oder liegen die Tiere auf der überbreiten und schweren Brust.

»Der untrügliche Gradmesser für die Herzensbildung
eines Volkes und eines Menschen ist,
wie sie die Tiere
behandeln.«
Berthold Auerbach

Weltweit werden laut FAO (Food and Agriculture Organisation of United Nations) etwa 2.600.000 Tonnen Entenfleisch »produziert«.
Deutschland nimmt mit 28.000 Tonnen in der Statistik Platz 9 ein. Jährlich werden in der Bundesrepublik etwa 10 Millionen Enten geschlachtet.

In riesigen, fensterlosen Hallen werden die Enten dichtgedrängt gehalten, auf einem Quadratmeter vegetieren 13 Enten. Sie stehen auf Drahtmaschen und Lochplatten, was zu grausamen Verletzungen führt. Von Sonnenlicht und Wasser können diese Wasservögel nur träumen.

Wie in den Hühner-KZ´s werden Enten und Puten die Schnäbel abgeschnitten - ohne Betäubung. Im Schnabel verlaufen jedoch bis in die Spitze sensible Nerven, außerdem werden Bindegewebe und Blutgefäße beschädigt. Schmerzen und ständige Irritationen sind die Folge. »Es ist, wie wenn Sie einem Menschen die Lippen abschneiden würden,« bestätigte Veit Kostka, Fachtierarzt für Geflügel in Gießen, dem SPIEGEL. Eine weitere Folge: Die Puten und Enten können sich nicht mehr das Gefieder putzen.

Die Nahrung der Tiere besteht statt aus Grünfutter aus Pellets mit Mastleistungsförderern und Antibiotika. So stehen sie ständig unter Medikamenten. Aspirin und Tranquilizer sollen Schmerzen und Angriffslust unterdrücken.

»Nach eineinhalb Monaten ohne Tageslicht und Bademöglichkeit hat die Pekingente ihren Lebenszweck erfüllt: die Veredelung durch Schlachtung.« (DER SPIEGEL 34/2001). In Gruppen zu 350 Tieren watscheln die Enten in die Schlachthalle, wo sie an den Beinen aufgehängt werden. »Der Weg zum Tod führt in ein Bad; kaum eingetaucht treffen das Federvieh Stromstöße. Den Rest besorgt der Mensch mit einem Stich hinter das Ohr - Tod durch Verbluten.« (ebda.).

Ob die Stallhaltung von Enten bei »Entzug des Grünland auslaufs nebst Bademöglichkeit« als »tierquälerisch zu bewerten ist«, wollten sich die Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth bei einem Urteil im März 2001 nicht festlegen: Es sei »letztlich eine Anschauungssache«.

»Ich bin Leben, das Leben will, inmitten von Leben,

das leben will.«
Albert Schweitzer (1875-1965)

In Deutschland werden jedes Jahr 1 Million Gänse geschlachtet - besonders in der Weihnachtszeit. Für die Delikatesse Stopfleber wird ihnen fünf mal am Tag Maisbrei direkt in den Magen gepresst - mit einem 50 cm langem Rohr, damit sie nicht erbrechen können. Der Kopf wird meist mit einem Metallbügel festgeklemmt. Die vierwöchige Folter führt dann zu einer krankhaft vergrößerten Leber. Teilweise werden Gänse auch mit Pressluft gestopft: Dabei explodieren im wahrsten Sinne des Wortes mindestens 12 von 100 Gänsen. Zwar ist das Stopfen in Deutschland verboten, die Stopfleber wird aber importiert. Für die Daunengewinnung werden Gänse drei mal am lebendigen Leib gerupft.

Gänse sind hochintelligente Tiere und leben ihrer natürlichen Art gemäß wie in einer Ehe - sie sind sich ein Leben lang treu.
Eine wahre Schlächter-Geschichte

»Vor ein paar Jahren, an einem Abend in einer Kneipe im Schwarzwald. Ein Schlächter saß da in einer Ecke und trank innerhalb einer Stunde acht Viertel Rotwein. Dabei redete er unablässig. Der Schlächter hatte grindigen Ausschlag und nur ein Thema: die Tiere. Abertausende von ihnen hatte er umgebracht, Rinder, Schweine, Schafe, alles. Der Schlächter litt unter einem Albtraum, der sich jede Nacht wiederholte. Darin kamen all die toten Tiere langsam von den Hügeln her auf sein Haus zu, stumm, wie bei einem Trauermarsch. Kurz bevor sie sein Haus erreichten, wachte er auf. Trotz des Rotweins. Ungefähr ein Jahr nach diesem Abend brachte der Schlächter sich um, mit einem Bolzenschussgerät...« (Der Tagesspiegel, 01.02.2001)

 

 
Salmonellen in Putenfleisch

Nach einer Untersuchung des Magazins Öko-Test 4/2001 ist mit Salmonellen verseuchtes Putenfleisch in den deutschen Handel gekommen: In einem Test mit 400 Proben fanden sich in 26 Fällen Salmonellen. In weiteren acht Proben wurden Campylobacter-Bakterien gefunden, die Durchfall und rheumatische Gelenkentzündungen verursachen können. Laut Öko-Test erkranken jährlich fast eine halbe Million Menschen in Deutschland an Salmonellen - durch verseuchtes Putenfleisch. Die Zahlen der Erkrankungen an Campylobacter sind steigend. Die gefährlichen Bakterien vermehren sich ideal in der Massentierhaltung.

»Kann es denn aber etwas Abscheulicheres geben als sich beständig von Leichenfleisch zu ernähren?«
Francois de Voltaire (1694-1778)

 

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