"Feierlichkeit und Brauchtum"
Wurzeln im Nationalsozialismus

Jagd hat nach Jägermeinung etwas mit Feierlichkeit und Brauchtum zu tun: »Jäger achten ihre Beute mit rituellen Handlungen, die gut in die heutige Zeit passen. Die Feierlichkeit schärft die Aufmerksamkeit für das Geschehene, statt es formlos ins Beliebige abgleiten zu lassen. Der erlegte Hirsch wird geehrt, weil ihm Ehre gebührt. Der Jäger wird geehrt, wenn dem Jäger Ehre gebührt - bei besonderen Anlässen.« (Lutz Möller: Jagderörterung zwischen Bauer, Förster, Jäger und Erholungssuchenden - im Internet)

Unter den Nationalsozialisten wurde die »völkische Bedeutung und Empfindung« der Jagd hervorgehoben. Der Soziologe Klaus Maylein beschreibt in seiner Arbeit »Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit?« den Einfluss des Dritten Reiches auf das Jagdwesen bis heute: »Die Wildtiere wurden durch das Reichsjagdgesetz, so wie heute noch im Bundesjagdgesetz geregelt, herrenlos. (...) Das Wild wurde auf diesem Wege im Dritten Reich zum Volksgut und damit mit völkischen Empfindungen und Werten versehen, die durch die Jäger treuhänderisch verwaltet werden mussten.« (Klaus Maylein, Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit?) Diese »Verantwortung dem Volksgut gegenüber« zog die strikte Neustrukturierung des Jagdwesens nach nationalsozialistischer Prägung nach sich - und »die Herausbildung eines Brauches, der der strikten Einordnung und Disziplin in eine Gemeinschaft bedarf.« (ebda.).

Die im Nationalsozialismus gepflegten Zeremonien und Bräuche haben noch immer Bestand! »Verstöße gegen das jagdliche Brauchtum, das sich in seinen Inhalten seit der Ära Göring nicht verändert hat, werden auch heute noch ... durch ein sogenanntes Jagdgericht nach Beendigung der Gesellschaftsjagden (dem sog. Schüsseltreiben) geahndet.« (ebda.).

Trophäenorientierung der Nazis

Kennzeichnend für den Nationalsozialisten ist die Trophäenorientierung: Die intensive Fütterung der sogenannten »Trophäenträger« wurde unter Göring in den von ihm errichteten Staatsjagdrevieren so überzogen, dass es Mitten im Zweiten Weltkrieg innerhalb Deutschlands zum sogenannten »Haferkrieg« kam: »Dieser drückte sich dadurch aus, dass im Winter 1942/43 Hafer, der für die Ernährung von Kleinkindern wichtig gewesen wäre, statt dessen in den Staatsjagdrevieren an das Rotwild verfüttert wurde...« (ebda.).

In den westlichen Ländern der Bundesrepublik wurden zwischen 1949 und 1950 Landesjagdgesetze erlassen, die in ihren Grundzügen wesentlich dem Reichsjagdgesetz der Nationalsozialisten entsprachen: »An die Stelle des Reichsbundes Deutsche Jägerschaft trat der Deutsche Jagdschutz-Verband; das jagdliche Brauchtum und die Trophäenorientierung dagegen wurde nicht einmal ansatzweise verändert.« (ebda.)

Erinnerungen an Schindlers Liste

Ist es dann verwunderlich, wenn der heutige Zeitgenosse beim Anblick der waidmännischen Schießtürme an die Wachtürme in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches erinnert wird?

Unweigerlich erscheint auch das Bild aus dem Film »Schindlers Liste« vor dem inneren Auge: Der Hauptmann geht früh am Morgen auf den Balkon seiner Villa, erschießt als »Frühsport« einige KZ-Häftlinge und begibt sich anschließend zum Frühstück...

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