Die „Ethik" der Jäger

»Es war ungemein spannend, den Rotröcken, ohne Zweifel ein Hochzeitspaar, mit dem Fernglas zu folgen ... Jetzt musste nur mehr der starke Rüde Breitseite zeigen... Vom Feuerblitz geblendet, sah ich zunächst nichts ...«
Emil F. Pohl, Adventsfüchse

Einmal ganz abgesehen davon, dass bei so manchem homo sapiens eheliche Treue und mustergültige Elternschaft nicht so intensiv ausgeprägt zu sein scheinen wie bei den Füchsen, schockiert doch die Rohheit, Brutalität und Gefühllosigkeit, mit welche der Jäger die Ethik und Treue der Tiere verfemt und mit Füßen tritt - wenn er nämlich vom »Hochzeitspaar« - seinen Opfern - und vom »zarten Büchslein« - seinem Mordinstrument - spricht:

»Da waren schon zwei dunkle Schatten, zwei Füchse, die über den entfernten Steg kamen und den sicheren Weg zum Misthaufen einschlugen. Es war ungemein spannend den Rotröcken, ohne Zweifel ein Hochzeitspaar, mit dem Fernglas zu folgen. Ermelynchen wurde vom Freier ständig umworben, umkreist, zum Verweilen aufgefordert. (...) Der tiefliegende Bachgrund bot eine günstige Deckung, und ich kam, wenn ich dem Wasserlauf folgte, nahe an den Misthaufen voran, zu dem Rüd´ und Fäh´ offensichtlich wollten. Ich schob den Kopf in Zeitlupentempo über die Böschung. Ein Adrenalinstoß war die Folge. Auf dem Monster eines schneebedeckten Düngerbergs waren die beiden Füchse mit Grabarbeiten beschäftigt, und mir pulste das Blut in den Adern (...). Das zarte Büchslein folgte lautlos meinem Befehl, der Misthaufen diente als Kugelfang, jetzt musste nur mehr der starke Rüde Breitseite zeigen und zur Ruhe kommen. Vom Feuerblitz geblendet, sah ich zunächst nichts, dann ein dunkles, fliehendes Schattengebilde, das im unendlichen Schneefeld rasch seine Konturen verlor. Der dunkelgrannige Rüde war prachtvoll im Balk und als versprochenes Weihnachtsgeschenk himmlisch geeignet. Alles in allem: Ich fühlte recht deutlich, der Augenblick ist´s, der den Jäger beglückt. Ein Schluck aus dem am Herzen getragenen Fläschchen war jetzt goldrichtig.« (Emil F. Pohl, Adventsfüchse. In: Österreichs Weidwerk 12/94). Die Un-Ethik der Jäger wird auch deutlich in den »rituellen Handlungen«, die sich an die eigentliche Jagd anschließen und deren Wurzeln zum Teil im Nationalsozialismus zu finden sind (Vgl. S. 10).


»Jäger achten ihre Beute mit rituellen Handlungen, die gut in die heutige Zeit passen.«

Aus: Lutz Möller, Jagderörterung zwischen Bauer, Förster, Jäger und Erholungssuchenden

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