Die Ethik der Tiere

»Füchse sind mustergültige Eltern und treue Ehegatten«
Dag Frommhold, Jägerlatein

Füchse leben - wenn sie nicht gejagt werden und ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Verfügung steht -, in Familiengemeinschaften zusammen, »die im Herbst aus einem Rüden, »seiner« Füchsin und in der Regel den weiblichen Jährlingen aus dem vorangegangenen Wurf besteht. In diesen Gemeinschaften bringt nur die älteste Füchsin Kinder zur Welt, während ihre Jährlingstöchter sich aufgrund noch nicht näher bekannter sozialer Faktoren sexuell enthalten.« (Dag Frommhold, Jägerlatein, S. 28)

Günther Schumann berichtet in seinen vielbeachteten Büchern »Mein Jahr mit den Füchsen« und »Leben unter Füchsen« seine jahrelangen Beobachtungen einer Fuchsfamilie und ihres Anhangs - und brachte bemerkenswerte und erstaunliche Einblicke in das Familienleben und das Verhalten der Rotfüchse ins Licht der Öffentlichkeit. Oft gelang es ihm, dieses auch fotographisch zu dokumentieren. Das entsprechende Vertrauen aufzubauen sei anfangs über die Darreichung kleiner Leckerbissen und insbesondere durch stetige, ausdauernde und einfühlsame Kontaktaufnahme gelungen. »Dadurch wurden Beziehungen zwischen Mensch und Wildtieren möglich, die - besonders beim Fuchs - bisher in freier Wildbahn kaum vorstellbar waren.« (Günther Schumann, Leben unter Füchsen, S. 5). Schumann schreibt, dass natürlich viele glückliche Umstände zusammentreffen mussten, um solch dauerhafte und durchaus freundschaftliche  Verbindung zu einer so überaus scheuen Tierart zu bekommen: »Einer Tierart, die, wie der Fuchs, durch jahrhundertelange Verfolgung äußerst vorsichtig und misstrauisch geworden ist und sich dank ihrer Intelligenz, Lern- und Anpassungsfähigkeit immer wieder behaupten konnte.« (ebda.). Ohne das uneingeschränkte Vertrauen dieser freilebenden Füchse ihm gegenüber wäre ein Beobachten und Studieren aus allernächster Nähe unmöglich gewesen. »In das intime Familienleben von Wildtieren Einblick zu erhalten, ohne als störend oder gar gefährlich angesehen zu werden, erfüllt mit großer Freude und ist überaus beglückend. «(ebda.). Öfter, wenn Günther Schumann seine vierbeinigen Freunde besuchte und sich dort auf irgendeinem Baumstamm niederließ, setzten oder legten sich die Füchse in seine unmittelbare Nähe oder auch einige Schritte entfernt um sich ausgiebig zu putzen, zu ruhen oder auch zu schlafen (ders., S. 11).

»In das intime Familienleben von Wildtieren Einblick zu erhalten, ohne als störend oder gar gefährlich angesehen zu werden, erfüllt mit großer Freude und ist überaus beglückend.«
Günther Schumann, Leben unter Füchsen

»Es bereitete viel Freude den Kleinen beim täglichen Spiel, bei Balgerei und Jagerei zuzuschauen. Sie hatten zwischendurch auch ein großes Ruhebedürfnis und legten sich, meist einzeln, in der Nachbarschaft ihres Unterschlupfes schlafen. Hierzu suchten sie überwiegend gedeckt liegende freie Plätzchen auf, wo sie nach Möglichkeit die wärmenden Sonnenstrahlen nutzen konnten.« (ders., S. 26). Ausgiebig konnte Schumann die Fellpflege der Fuchsmütter an ihrem Nachwuchs beobachten und in zahlreichen Fotos festhalten. »Es war sehr belustigend anzusehen, wenn sich die Welpen direkt vor ihrer Mutter aufstellten und mit drängelndem Körperkontakt ihr den Rücken, das Hinterteil oder den Kopf zur Körperpflege darboten. (...) Durchkämmte Molli das Fell eines ihrer Kinder mit den Zähnen, so hielt dasjenige, dem diese Pflege gerade zuteil wurde, oft den Kopf schief und die Augen genüsslich geschlossen. Das wirkte erheiternd menschlich.« (ders., S. 35/36). Einmal beobachtete der Tierfreund, wie eine Fuchsmutter ihrer erwachsenen Tochter vom Vorjahr das Fell pflegte, ohne von ihr aufgefordert worden zu sein: »Ein bemerkenswertes Sozialverhalten auch unter ausgewachsenen Füchsen.« (ders., S. 41).

Füchse sind überaus soziale Tiere, die im Normalfall in Gruppen oder Einehe zusammen leben, die - sofern der Mensch Fuchs und Füchsin am Leben lässt - mustergültige Eltern und treue Ehegatten sind. »Wann immer dies möglich ist, ziehen beide Elternteile ihren Nachwuchs gemeinsam groß, und der sich eingehend mit Reineckes Verhalten beschäftigende Verhaltensbiologe Günter Tembrock konnte in einem Gehege mit zwölf Weibchen staunend beobachten, dass ein Rüde nur »seine« Füchsin annahm.« (Dag Frommhold, Jägerlatein, S. 23/24)

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