Jesus kam auch für die Tiere
und trieb die Tierhändler aus dem Tempel

Durch die Propheten des Alten Bundes kam das Gotteswort zu den Menschen. Gott sprach durch Jesaja und Jeremia: »Eure Tieropfer sind mir ein Gräuel!« Nachdem die Menschen auf die Propheten nicht gehört hatten, kam Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes. Nachdem die ernsten und klaren Worte der Propheten nichts bewirkt hatten, wurde er etwas deutlicher: Jesus hat mit der Peitsche die Tierhändler aus dem Tempel hinaus getrieben. Der Vorhof des Tempels war ein Handelsplatz für Opfertiere. Der Tempel selbst war ein Schlachthaus: Dort stand der Altar, auf dem die Tiere verbrannt wurden - »für die Sünden der Menschen« und »zum beruhigenden Duft für den Herrn«. Jesus griff zur Peitsche, um das halsstarrige Volk darauf hinzuweisen, dass eine Verhaltensänderung nötig wäre: »Dieses soll ein Bethaus sein. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!« Hier steht Jesus in der Tradition der Propheten, die oft auf solche Zeichenhandlungen zurückgegriffen haben.

Jesus von Nazareth kam auch für die Tiere. Das wurde schon bei seiner Geburt im Stall zu Bethlehem deutlich. Er setzte sich in seinem Leben praktisch für die Tiere ein. Doch davon berichten heute nur Schriften außerhalb der Bibel: das Thomasevangelium, die Petrusakten, das Ägypterevangelium - die sogenannten Apokryphen (= verborgenen Schriften). In den Petrusakten, die um 180 n. Chr. entstanden ist, wird z.B. folgendes überliefert: Als Jesus mitansehen musste, wie ein Mann ein Tier schlug, rief er: »Weh euch, die ihr nicht hört, wie es zum Schöpfer im Himmel klagt und um Erbarmen schreit! Dreimal wehe aber über den, über welchen es in seinem Schmerz schreit und klagt!« Als man die in den ersten Jahrhunderten überlieferten Erzählungen zur Bibel zusammenfasste, waren die Erzählungen von Jesus und den Tieren schon unterdrückt. Hauptgrund war der Fleischkonsum.

»Kirchenvater« Hieronymus, welcher vom Papst die Aufgabe erhalten hatte, aus den vielen verschiedenen überlieferten - teilweise höchst widersprüchlichen - Evangelien die Bibel zu schreiben, sagt dazu Bemerkenswertes: »Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft... Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.« (Adversus Jovianianum I, 30).

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