»Der Segen der Natur wird vernichtet durch den Segen Roms«
Wilhelm Busch

Das millionenfache Tierleid ist nicht zuletzt auf die jahrhundertelange gefühllose Haltung der Kirchen zurückzuführen. Haben doch die Kirchen weder gegen Tierversuche, noch gegen Massentierhaltung oder Jagd jemals Einspruch erhoben. Die Verbindung von Jagd und Kirche hat eine lange Tradition.

Die Urchristen hielten das Jagen für unvereinbar mit dem christlichen Glauben, und auch die bekannte »Kirchenordnung des Hippolyt« hat dies noch übernommen. Jägern wurde die Taufe verweigert und sie wurden aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen (Vgl. Dag Frommhold, Jägerlatein, S. 153).

Die ersten Christen waren Vegetarier. In den gehobenen Schichten des römischen Reiches aß man hingegen selbstverständlich Fleisch. Und als das Christentum in das römische Reich und in das Zentrum Rom vordrang, passte man sich eben an: Der Römer Paulus berief sich auf die Freiheit des einzelnen und hat nur dann kein Fleisch gegessen, wenn er zum Ärgernis für Vegetarier in den Gemeinden wurde.

Die Paulusschüler, die an der Bibel mitschrieben, sagten bereits: »Es werden Leute auftreten, die gebieten, Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat« (gemeint waren die Tiere) - und dies sei »eine teuflische Lehre« (1. Timotheusbrief).

Bereits auf der Synode von Ancyra (314 n. Chr.) erging ein Berufsverbot für Priester und Diakone, die Vegetarier waren - sie galten fortan als »Irrlehrer«. Von Kaiser Konstantin, der das kirchliche Christentum zur Staatskirche »erhob«, wird berichtet, dass er Vegetariern Blei in den Hals geschüttet hat.

»Die Metzelei an den Tieren ... ist wesentlich mitverursacht durch die Kirche«
Prof. Dr. theol. Hubertus Mynarek

Im Jahre 1051 wurden »Ketzer« (von griechisch »katharoi«, die Reinen) »zum Tode verurteilt, weil sie es ablehnten, Hühner zu töten und zu essen. Als Beweis ihrer Ketzerei reichte ihr blasses Aussehen, was nach kirchlicher Auffassung Folge einer vegetarischen Ernährung sei«. (Carsten Strehlow: Vegetarismus/Veganismus als Bestandteil des Christentums, Berlin, 2000, S. 55)

Und heute? Guido Knörzer, Tierschützer und Theologe schreibt im Jahre 2001: »Tierschützer werden von Kirchenkreisen häufig als überspannte, neurotische Spinner abgetan.« (Guido Knörzer: Töten und Fressen? Spirituelle Impulse für einen anderen Umgang mit Tieren. Kösel-Verlag, 2001, S. 32). Knörzer berichtet von einer Dame, die auf dem Kirchentag in Hamburg mit einer protestantischen Bischöfin über Tiere gesprochen hätte. Woraufhin die Bischöfin das Gespräch mit dem spöttischen Hinweis abgebrochen habe, dass sie nicht sicher sei, ob Tiere eine Seele hätten. Auf einen weiteren Brief erhielt die Dame folgende Antwort: »Die Bischöfin überlege derzeit, ob man Tieren eine Seele zusprechen könne und ob dies im Einklang mit der christlichen Theologie stehe.« (ders., S. 11f).

Wie wir gesehen haben steht es nicht im Einklang mit der kirchlichen Theologie, Tieren eine Seele zuzusprechen. Ehrlicherweise sollte die Kirche allerdings auch zugeben, dass sie nicht im Einklang mit der Lehre des Jesus von Nazareth steht.

Jesus lehrte nicht, dass Pfarrer das Töten von Tieren segnen sollen, wie es auf den alljährlichen Hubertusmessen der evangelischen und katholischen Kirche geschieht: Nach gemeinschaftlicher Treibjagd wird vor der Kirche »Strecke gelegt«, d.h. die getöteten Tiere werden in Reih und Glied ausgebreitet. Wie viele Töter gehen dann zum Segensmal der Hubertusmesse, vollgefressen und betrunken? Und der Pfarrer macht das Kreuz zum Hirsch und segnet die Waffen der Töter.

Dabei sollte Hubertus wirklich ein Vorbild für die Jäger sein: Als dem leidenschaftlichen Jäger Hubertus auf der Jagd ein Hirsch begegnete, der in seinem Geweih ein strahlendes Kreuz trug, erkannte er, dass auch die wildlebenden Tiere Geschöpfe Gottes sind - und Hubertus entsagte von diesem Tag an jeglicher Form der Jagd.

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