»50 Mark für jeden toten Fuchs...«
Staatlich geförderte Tiertötung

Die Jäger nutzen die Misere, in der sich viele Niederwildarten befinden dazu um Stimmung gegen die natürlichen Feinde dieser Art zu machen - ein »Zusammenspiel von Ignoranz und Egozentrik«, wie Dag Frommhold meint. Wie Heinrich Spittler 1991 in der Zeitschrift »Rheinisch-Westfälischer Jäger« unter der vielsagenden Überschrift »Fuchsjagd tut not« ausführte, ist rigorose Fuchsverfolgung notwendig, »um den Fuchs auf die niedrige Besatzdichte zu bringen, die erforderlich ist, um eine optimale Hasen- und Fasanenstrecke zu erzielen.« Heribert Kalchreuter, vielzitierter Protagonist uneingeschränkter Jagdfreuden, rechnet in seinem Standardwerk »Die Sache mit der Jagd« anhand der Zustände auf der Nordseeinsel Föhr vor, dass man beim Fehlen natürlicher Prädatoren (also Beutegreifer) jährlich 46% des Herbstbestandes an Hasen auf 91% der Revierfläche »abschöpfen« kann, während unter normalen Umständen nur 19% der Hasen auf 38% der Revierfläche der jagdlichen Nutzung zugeführt werden können.«

Hier entlarvt sich der »Naturschützer« Jäger selbst: Nachdem er zu viele Fanane, Rebhühner, Birkhühner und Hasen abgeknallt hat, ist der »Bestand« erheblich dezimiert bis gefährdet. Da nun auch Füchse eben diese vom Jäger begehrten Jagdobjekte essen, wird der Fuchs zum Konkurrenten - »für zahlreiche Grünröcke ... die entscheidende Triebfeder zur Raubwild-
"bekämpfung"« (Dag Frommhold, Jägerlatein, S. 36). Ignoriert werden wissenschaftliche Untersuchungen, die den Anteil von Niederwild in Fuchslosungen und -mägen in ganz Europa mit durchweg weniger als 10% beziffern - selbst dort, wo Hasen noch zahlreich sind.

Selbst unter Jägern ist inzwischen die These, der Fuchs rotte das Niederwild aus, überaus umstritten.

»Für die Tötung und Einsendung der Füchse wird der Einsender mit einer Prämie von ÖS 150,- je Fuchs entschädigt.«
Veterinärlandesrat Dr. Achatz, Österreich

Von behördlicher Seite wird auch noch finanzieller Anreiz für das Töten von Füchsen gegeben. Einige Beispiele:

Für Menschen ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland an Tollwut zu erkranken, mit 1:171.875.000 (171 Millionen!) zu beziffern (H. Hagen, Wie edel ist das Waidwerk? Berlin/Wien, 1984). Selbst wenn der Mensch von einem tollwutkranken Tier gebissen werde, liege die Häufigkeit einer tatsächlichen Infektion abhängig von der Körperstelle, die verwundet wirde, lediglich zwischen 3 und maximal 50%. »Wesentlich gefährlicher als die Tollwut ist da schon die Jägerei selbst, der Jahr für Jahr mehr als ein Dutzend Menschen bei Jagdunfällen zu Opfer fallen.«, meint Dag Frommhold (Jägerlatein, S. 26).

Schlägt man seine Tageszeitung auf, stößt man mitunter auf einen Artikel über eine Stadtratssitzung mit dem Thema Jagd - wie es z.B. die Main-Post am 23.06.01 berichtet: Der Leiter der Verwaltung stellt fest, »dass die städtische Forstverwaltung 20 Prozent Verbiss toleriert. Liegt der Schaden höher, dann muss der Jagdpächter prozentual den Jagdschaden bezahlen, der über 20 Prozent liegt.« In einem Eigenjagdrevier liegt der Verbissschaden bei 20,89 Prozent. »Demnach müsste der Pächter an die Stadt 236,43 Mark bezahlen. Aufgrund der Bemühungen um die Reduzierung von Wildschaden beschloss der Stadtrat, auf diesen geringen Beitrag zu verzichten.« Hinter diesem freundlichen Entgegenkommen des Stadtrats verbirgt sich eine Form von staatlich gefördertem Tiermord: Nicht wenige Jäger stehen unter enormem Druck die behördlich vorgegebenen Abschusszahlen zu erreichen - sonst geht es ihnen mit der Zahlung von »Schadensersatz« für Verbissschäden an den Geldbeutel. In der Folge wird alles geschossen, was vor die Flinte kommt - denn was anderes sind die »Bemühungen um die Reduzierung von Wildschaden«?

Der Staat stützt immer noch diejenigen, die Tiere wie Sklaven halten und millionenfache Jagd auf wildlebende Tiere machen. Die Ideologie dazu kommt von den Kirchen, die Kirchenkritiker Karl-Heinz Deschner »als größte Verbrecherorganisation aller Zeiten« bezeichnete.

Rehnüsschen beim Gipfeltreffen

»Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit«
Theodor Heuß, 1. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland

Wenn Staatsmänner sich treffen, erfährt das Volk meist wenige Details über das, was besprochen wurde. Detailliert wird der Bürger jedoch über die Speisekarte informiert: Beim deutsch-französischen Gipfeltreffen von Schröder und Chirac in Freiburg gab es zum Beispiel Forelle und Rehnüsschen. Kein Wunder, dass viele Politiker die Jäger decken - sind doch viele selbst Hobby-Jäger.

Theodor Heuß (31.01.1884-12.12. 1963) musste als 1. Bundespräsident der Bundesrepublik protokollgedrungen an Diplomatenjagden teilnehmen. Er äußerte schockiert: »Die Jagd ist ein Mordsspaß: - Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf - Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«

Und der Soziologe Erich Beck fragt in der Süddeutschen Zeitung vom 12. März 2001: »Macht das Steak seinen Esser nicht zum Mitglied einer terroristischen Vereinigung, die nur deswegen nicht als solche gilt, weil sie sich nicht gegen den Staat richtet, sondern gegen die Tierwelt?«

Fehlinformation in der Öffentlichkeit:
Die Propaganda der Lust-Töter

»Bei ökologisch unbefleckten Bürgern Unterstützung für die massive Hatz auf Füchse zu bekommen.«
Dag Frommhold, Jägerlatein

Die konventionellen Jagdverbände betreiben immer noch häufig eine Panikmache vor Tollwut und Fuchsbandwurm, um in der Bevölkerung massiv Stimmung gegen den Fuchs zu machen und den millionenfachen Fuchsmord zu rechtfertigen: »Schlagzeilen wie »Tödliche Falle im Wald« oder »Tödliche Gefahr mikroskopisch klein« (durch den Fuchsbandwurm, Anm. d. Verf.) lenken in Tageszeitungen den Blick des Lesers rasch auf den Bericht vom jüngsten Kreisjägertag - und dort ist dann zu lesen: »Verstärkt im Fadenkreuz (...): Wildschweine und Füchse. (...) Entgegen der Meinung vieler Naturrschützer halten Eiberger und Dölker die intensive Bejagung des Fuchses für »dringend notwendig« zur Prävention von Seuchen wie Tollwut oder Fuchsbandwurm« (...)

Nur aufgrund derartiger Fehlinformation der Öffentlichkeit gelingt es den Jägern, nach wie vor bei ökologisch unbefleckten Bürgern Unterstützung für die massive Hatz auf Füchse zu bekommen.« (Dag Frommhold, Jägerlatein S. 32).

Das deutsche Jagdgesetz gewährt dem Fuchs keine Schonzeit. Bei Untersuchungen im Saarland stellte Eric Zimen fest, dass in den Monaten Mai und Juni mehr als die Hälfte der geschossenen Füchse säugende Fähren waren. Ungezählte Jungfüchse sterben einen qualvollen Tod durch Verhungern und Verdursten. (Eric Zimen, Vorwort zu: Schumann, Mein Jahr mit den Füchsen).

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