»Die grösste Gefahr für das Bestehen der Jagd ist die Vernunft.«
José Ortéga y Gasset

Der Mensch bezeichnet sich gerne selbst als »Krone der Schöpfung« und »vernunftbegabtes Wesen«.

Der Tierrechtler Dag Frommhold diagnostiziert beim Menschen eine scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen theoretischer Erkenntnis und alltäglicher Praxis - und die sei nirgendwo größer als in unserem Verhältnis zu den Tieren: »Wir stellen fest, dass die genetische Ähnlichkeit von Schwein und Mensch beträchtlich ist, und kasernieren diese Tiere dennoch zu Abermillionen in Massentierhaltungen, wir bewundern die Schönheit und Intelligenz des Fuchses und verfolgen ihn trotzdem erbarmungslos mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.« (Dag Frommhold, Jägerlatein, S. 10).

Angesichts dieser schizophrenen Haltung stellt sich die Frage: Wer ist hier vernunftbegabt - der Mensch oder das Tier? An wessen Intelligenz muss man nun zweifeln?

In den letzten Jahren hat die Kritik an der Jagd bedeutend zugenommen. Das Selbstverständnis zahlreicher Waidmänner als »aktive Naturschützer« beginnt unter der Last ökologischer Erkenntnisse zu bröckeln. Und so mancher Jäger »steht« inzwischen ganz offen dazu, dass der »Naturschutz« nur vorgeschoben ist: Es geht bei der Jagd um die Freude am Töten. Wann schiebt der Rest der Bevölkerung der »Beutefreude« von 340.000 Jägern einen Riegel vor?
 
 

Jäger sind keine Naturschützer
»Zur Beute-Freude stehen«

»... und Beute wollen wir doch machen. es ist nicht verwerflich, Freude zu empfinden, wenn es gelungen ist, ein Stück Wild zu erlegen.«
Leserbrief in WILD UND HUND 13/2001

Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Jäger: Die Novellierung des Bundesjagdgesetzes will den Abschuss bedrohter Tierarten einschränken bzw. Schonzeiten ausdehnen. In der Verteidigung ihrer »Rechte« zeigen die Jäger ihr wahres Gesicht:

»Was jetzt an der Zeit ist, ist ein neues Selbstverständnis der Jagd. Nichts gegen den Versuch, mit den Naturschutzverbänden das Gespräch zu suchen. Meiner Meinung nach hat sich aber in den letzten Jahren der DJV den Naturschutzverbänden zu sehr angebiedert (...). Sprüche wie »Jagd als angewandter Naturschutz« oder Jäger als die wahren Naturschützer« und so weiter - alles schön und gut. Akzeptiert werden wir von den Funktionären der Naturschutzverbände aber trotz allem nicht. Warum stehen wir nicht endlich mehr zu Sinn und Zweck unserer Jagdausübung?

(...) Jagd ist eben nicht in erster Linie Hegen, sondern im ganz ursprünglichen Sinn Beutemachen, und Beute wollen wir doch machen. Es ist nicht verwerflich, Freude zu empfinden, wenn es gelungen ist, ein Stück Wild zu erlegen. Nein, es darf durchaus Freude bereiten, wenn ein Stück Wild durch einen sauberen Schuss schmerzlos verendet. (...)

Jagd bedeutet auch, nicht nur Schwaches und Krankes zu erlegen, sondern »überzählige« kerngesunde Tiere (wer will schon Krüppel und Kranke essen?).« (Leserbrief von Ralf Kober in: WILD UND HUND 13/2001)

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