Millionenfaches Tierleid

Welche Schuld trägt die Kirche?

Schöpfungsgeschichte: Pflanzen als Speise

Eines steht fest: Gott sagte in der Schöpfungsgeschichte nicht: »Tötet die Tiere und esst ihre Leichenteile!« Er sprach: »Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.« (Genesis 1,29).

Seit dem Schöpfungsbericht widerspricht sich die Bibel allerdings ständig. Nach der Sintflut soll Gott angeblich gesagt haben: »Furcht und Schrecken über alle Tiere - alles was sich regt und lebt, das sei eure Speise.« (1 Mose 9, 2-3). Und damit nicht genug: Im 3. Buch Mose liest man haarsträubende Einzelheiten darüber, wie die Priester Tiere schlachteten und deren Blut am Altar verspritzten, »zum beruhigenden Duft für den Herrn«. Die Bibel als Rechtfertigung für das Töten von Tieren?


Die Bibel: Rechtfertigung zur Tiertötung?

Wer heute die biblischen Todesurteile gegen die Tiere - welche die Priester der damaligen Zeit Gott in den Mund geschoben haben - wörtlich nehmen will, müsste konsequenter Weise auch die anderen Aussagen in diesem Umfeld wörtlich nehmen: z.B. das Steinigen von Ehebrechern, Homosexuellen und ungezogenen Söhnen. Wenn wir auch dies alles wortgetreu täten, wäre unsere Bevölkerungszahl um ein Vielfaches geringer und wir hätten wohl auch große Lücken in der Regierung und den Reihen der Priester. Es ist doch schizophren: Wenn es um das Töten von Tieren geht, berufen wir uns auf einige Aussagen in der Bibel. In anderen Bereichen des Lebens gelten ähnlich blutrünstige Bibel-Aussagen für uns längst nicht mehr.

»Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.«

Bibel, Schöpfungsgeschichte, Genesis 1,29


Die großen Propheten des Alten Testaments wandten sich mit deutlichen Worten gegen das Töten von Tieren.
Der Prophet Jeremia prangerte die blutigen Schlachtopfer der Israeliten an: »Ich habe euren Vätern nichts von Schlachtopfern gesagt...«. Jesaja, der die große Vision verkündete, in der das Lamm beim Löwen liegen wird, verglich das Töten von Tieren mit dem Töten von Menschen.


Jesus kam auch für die Tiere

Jesus von Nazareth kam auch für die Tiere. Das wurde schon bei seiner Geburt im Stall zu Betlehem - mitten unter den Tieren - deutlich. Mit der Peitsche trieb er die Tierhändler aus dem Tempel hinaus. Jesus von Nazareth war Vegetarier und setzte sich in seinem Leben für die Tiere ein.


Die ersten Christen waren Vegetarier

In den ersten vier Jahrhunderten nach Chr. vertraten die ersten Christen weitgehend die Auffassung, dass man die Tiere als Mitgeschöpfe nicht essen solle. Die »goldene Regel« des Jesus von Nazareth galt in ihren Augen auch für die Tiere: »Was du nicht willst, das man dir tu, das füg´auch keinem andern zu.«

»Das Land wird euch seine Früchte geben, dass ihr euch satt essen könnt.

Wer einen Ochsen schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlüge.«

Jesaja 66/3


Kirchenvater Hieronymus, welcher vom Papst in Rom die Aufgabe erhalten hatte, aus den vielen überlieferten und einander widersprechenden Evangelien die Bibel zu schreiben, bemerkte: »Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft... Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.« (Adversus Jovianianum I, 30)


Römische Kirche: Verfolgung von Vegetariern

Als Hieronymus die in den ersten Jahrhunderten überlieferten Erzählungen zur Bibel zusammenfasste, waren die Erzählungen von Jesus und den Tieren schon unterdrückt. Denn in den gehobenen Schichten des römischen Reiches aß man selbstverständlich Fleisch. Als das Christentum in das römische Reich und in das Zentrum Rom vordrang, passte man sich eben an: »Alles, was auf dem Fleischmarkt erhältlich ist, das esst und forscht nicht nach, damit ihr euere Gewissen nicht beschweret.« (Paulus, 1. Korinther 10,25).

Bereits auf der Synode von Ancyra (314 n. Chr.) erging ein Berufsverbot für Priester und Diakone, die Vegetarier waren - sie galten fortan als »Irrlehrer«. »Etwa 400 n. Chr. machten die Römer den Vegetariern den Prozess und rotteten sie aus.« (Dr. med. Francois Binkert: Vegetarismus: woher und wohin? ebi-forum 31, Juni 1998).

Von Kaiser Konstantin, der das kirchliche Christentum zur Staatskirche »erhob«, wird berichtet, dass er Vegetariern Blei in den Hals geschüttet habe. Seither ist die Geschichte des Christentums »eine Geschichte der Unterdrückung und des Tötens; sie hat mit dem Schöpfungsgedanken und der Botschaft Jesu wenig gemeinsam.« (ders.)

Im Mittelalter spitzten sich die Auswirkungen der institutionalisierten Kirchenlehre weiter zu: Im Jahre 1051 wurden »Ketzer« (von griechisch »katharoi«, die Reinen) »zum Tode verurteilt, weil sie es ablehnten, Hühner zu töten und zu essen. Als Beweis ihrer Ketzerei reichte ihr blasses Aussehen, was nach kirchlicher Auffassung Folge einer vegetarischen Ernährung sei«. (Carsten Strehlow: Vegetarismus/Veganismus als Bestandteil des Christentums, Berlin, 2000, S. 55).

Im 12. Jahrhundert, der Hochblüte der Waldenser und Katharer (»die Reinen«) wurde der Verzicht auf Fleisch zum Erkennungszeichen der Ketzer. Weitere religiöse Gruppen, die sich ohne Fleisch ernährten, waren die Hussiten, Duchoborzen, Trappisten und andere. Viele Vegetarier landeten durch die Inquisition auf dem Scheiterhaufen.

»Man kann schwerlich die Tugend lieben, wenn man sich an Fleischgerichten und Festmahlen erfreut. Unser Tisch muss zum Denkmal der Tafel wahrer Christen dienen.«

Kirchenvater Basilius der Große (329-379)

Und heute?

Im katholischen Katechismus wird bis heute erklärt, man dürfe Tieren »nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt« (Nr. 2418). Und auf einer Rede vor Biologen 1985 sagte Johannes Paul II.: »Es ist gewiss, dass Tiere zum Nutzen des Menschen geschaffen wurden; das heißt, dass sie auch für Experimente benutzt werden können.«

Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Christen Schwierigkeiten mit dem Thema Vegetarismus bekommen - oder dass immer mehr Menschen ihr Vertrauen in die Kirche und ihre Repräsentanten verlieren.

In der evangelischen Kirche ist es nicht besser: Im neuen Evangelischen Erwachsenenkathechismus spielen die Tiere nicht einmal eine Rolle. Auf den fast 900 Seiten steht kein Wort über Tierhaltung, Verzehr von Tieren, Tiertransporte, Tierversuche, Jagd usw.


»Du sollst nicht töten!«

»Du sollst nicht töten« - mit diesem Gebot wäre eigentlich alles gesagt. Doch da es vielen Menschen zu unbequem ist, wird das Gottesgebot verbogen zu »Du darfst keine Menschen töten« oder gar in der neuesten Bibelfälschung abgewandelt in »Du sollst nicht morden!«

Ausgerechnet Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, wurde zu einer wahren Tötungsorgie: Die Leichen von Millionen von Gänsen und Enten landen auf dem festlich gedeckten Tisch, während man das Jesus-Püpplein dekorativ in die Krippe zu Ochs und Eselchen legt.

Das, was heute vielfach im Namen Gottes getan wird, ist nicht christlich. Es ist unchristlich die Erde auszubeuten, Tiere zu missbrauchen, zu misshandeln und ihre Leichenteile zu verzehren.

»Man darf Tieren nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.«

Katechismus der katholischen Kirche,1993, Nr. 2418


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